Wie stellt ein Arzt Alkoholabhängigkeit fest?

Der Begriff „Alkoholismus“ wird im Alltag häufig verwendet. Medizinisch spricht man von einer Alkoholabhängigkeit. Der allgemeinere Begriff alkoholbezogene Störung umfasst auch andere Formen problematischen Alkoholkonsums. Für die Diagnose ist die Trinkmenge allein nicht ausschlaggebend. Der Arzt untersucht, wie sich der Alkoholkonsum entwickelt hat, ob Schwierigkeiten bei der Kontrolle bestehen und welche Folgen das Trinken bereits hat.
Am Anfang steht ein Gespräch über die Trinkgewohnheiten. Der Arzt fragt, wie häufig und wie viel jemand trinkt, ob es schon Versuche gab, weniger zu trinken, und welche Erfahrungen dabei gemacht wurden. Auch das Verlangen nach Alkohol, mögliche Entzugsbeschwerden und gesundheitliche oder persönliche Probleme werden besprochen.
Häufig kommt dabei der AUDIT-Fragebogen oder seine kürzere Variante AUDIT-C zum Einsatz. Diese Fragebögen helfen, problematischen Alkoholkonsum frühzeitig zu erkennen und einzuschätzen, ob weitere Untersuchungen sinnvoll sind.
Besteht der Verdacht auf eine Alkoholabhängigkeit, prüft der Arzt sechs medizinische Kriterien:
- Starkes Verlangen nach Alkohol
- Schwierigkeiten, den Beginn, die Menge oder das Ende des Trinkens zu kontrollieren
- Körperliche oder psychische Entzugserscheinungen
- Zunehmende Gewöhnung an Alkohol, sodass größere Mengen für die gleiche Wirkung benötigt werden
- Vernachlässigung anderer Interessen und Verpflichtungen zugunsten des Alkohols
- Weitertrinken trotz bekannter gesundheitlicher oder anderer schädlicher Folgen
Nach den ICD-10-Kriterien müssen mindestens drei dieser sechs Merkmale innerhalb der letzten zwölf Monate gleichzeitig aufgetreten sein, damit die Voraussetzungen für eine Alkoholabhängigkeit erfüllt sind.
Je nach Situation folgen eine körperliche Untersuchung und Blutuntersuchungen. Dabei achtet der Arzt auf mögliche Schäden an Leber, Herz und Nervensystem. Auch psychische Erkrankungen, Medikamente und der Konsum anderer Suchtmittel werden berücksichtigt. Laborwerte können zusätzliche Hinweise liefern. Für die Diagnose werden sämtliche Untersuchungsergebnisse gemeinsam beurteilt.
Der Selbstcheck auf dieser Seite orientiert sich an den Fragen und Kriterien, die auch bei einer ärztlichen Untersuchung verwendet werden. Die Auswertung hilft, den eigenen Alkoholkonsum besser einzuschätzen und mögliche Anzeichen einer Abhängigkeit zu erkennen. Sie kann außerdem als Vorbereitung auf ein ärztliches Gespräch dienen.
Die fachliche Grundlage bildet die deutsche S3-Leitlinie zum Screening, zur Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen.
